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„Bio“-Plastik – eine Scheinlösung

Das mit den sogenannten „Bio“-Kunststoffen verbundene Versprechen lautet: Anders als konventionelles Plastik bauen sie sich schneller ab. Doch dieses Versprechen können sie nicht einhalten.

Wird Kunststoff so produziert, dass er extrem widerstandsfähig ist, ist er auch fast nicht abbaubar. Je nach Materialart können mehrere hundert Jahre vergehen, bis sich Plastik zersetzt. Als Alternative zum Rohöl als Basis für Kunststoffe werden bereits heute nachwachsende Rohstoffe verwendet. 

Bei „Bio“-Kunststoffen werden zwei Kategorien unterschieden: Bio-basierte und bio-abbaubare Kunststoffe.

  • Biobasierte Kunststoffe werden heutzutage hauptsächlich als PET und PE im Verpackungsbereich eingesetzt. Deren biogene Ausgangsmaterialien werden aus Zuckerrohr gewonnen, das überwiegend aus Brasilien stammt. Die Pflanze wird unter erheblichem Pestizideinsatz in Monokulturen angebaut, mit massiven Folgen für Mensch und Natur. Der globale Preisdruck und die Marktkonzentration in Brasilien haben zudem zu Niedriglöhnen geführt und fördern die Armut in den Anbauregionen. Seit 2018 ist in Brasilien auch der Anbau von gentechnisch verändertem Zuckerrohr zugelassen. Andere landwirtschaftlich erzeugte Rohstoffe für „Bio“-Kunststoffe wie Mais oder Kartoffeln sind ebenfalls Produkte einer stark industrialisierten Landwirtschaft. Im Jahr 2017 betrug die Produktionskapazität für biobasierte Kunststoffe weltweit etwa ein Prozent der Gesamtproduktion von Kunststoffen. Dafür werden derzeit nur 0,02 Prozent der globalen Landwirtschaftsfläche genutzt. Dieser Anteil soll in den nächsten Jahren jedoch steigen, mit hohen Wachstumsraten. Der Druck auf die weltweiten Ackerflächen würde sich weiter erhöhen. Schon heute führt dieser Druck in einzelnen Regionen zu Wasserknappheit, Artensterben, Wüstenbildung und zum Verlust natürlicher Lebensräume.
  • Bio-abbaubare Kunststoffe sollen unter definierten Bedingungen durch Mikroorganismen abgebaut werden können. Diese abbaubaren Kunststoffe können zusätzlich bio-basiert sein, müssen es aber nicht. Die Einsatzfelder für derartige bio-abbaubare Kunststoffe reichen vom „kompostierbaren“ Müllsack über Lebensmittelverpackungen wie Joghurtbecher bis hin zu To-go-Bechern und Imbiss-Schalen. Ein eigens dafür entwickeltes europaweites Siegel soll die Kompostierbarkeit des Kunststoffs bescheinigen. Doch die Realität sieht anders aus. Nach den Prüfkriterien dieses Siegels müssen die Kunststoffe nach zwölf Wochen bei 60 Grad Celsius zu 90 Prozent abgebaut sein. In den meisten Kompostieranlagen hat der Müll aber nur etwa vier Wochen Zeit zu verrotten. Eine Verlängerung dieses Prozesses ist in der Regel wirtschaftlich nicht sinnvoll. Am Ende dieses Abbaus bleiben nur Wasser, Kohlendioxid und mineralische Zusatzstoffe zurück, es entstehen aber keine humusbildenden Stoffe. Zusätzlich wird Wärme frei, die ungenutzt für den weiteren Recyclingprozess verloren geht. Um den nächsten Abfallbeutel herzustellen, muss also wieder Energie von außen zugeführt werden. Damit ist dieser Vorgang genau genommen keine Kompostierung, sondern eine reine Entsorgung. 1


Als Argument für den Einsatz bio-basierter und bio-abbaubarer Kunststoffe wird oft angeführt, dass sie nach den aktuell vorliegenden Ökobilanzen in Bezug auf die Klimawirkung besser abschneiden als die vergleichbaren herkömmlichen Kunststoffe. Allerdings zeigt sich, dass die positive Bilanz wieder zunichte gemacht wird – durch die Versauerung und die Überdüngung von Böden und Gewässern, die durch den überwiegend konventionellen Anbau von Rohstoffpflanzen für bio-basierte Kunststoffe verursacht werden. .Der Versuch, biologische Kreisläufe zu simulieren, wird nicht ausreichen, um den Plastik-Müll einzudämmen. „Bio“- Kunststoffe verlagern vielmehr nur die Problematik und lenken von den tatsächlichen Lösungen ab.

1 Circularity Gap Report – Austria

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