Klima-Kolumne

Johannes Schmidl: Wir wissen, wie es geht!

Roger Hackstock (c) Wilke

Wir erfahren gerade, wie sich eine Krise anfühlt. Und eigentlich reicht es uns jetzt.

Die andere, größere globale Krise, die mit Erderhitzung droht, mit der Zerstörung der weltweiten Ökosysteme und der Lebensgrundlagen der Menschheit, dringt damit klarer in unser Bewusstsein – mit Hitzejahren, Waldbränden, Artensterben.

Wir wissen, was zu tun ist: wir müssen rasch damit aufhören, fossile Energieträger – Kohle, Erdöl, Erdgas – zu verbrennen. Die gute Nachricht: Lösungen sind da: die erneuerbaren Energieträger! Und diese sind ein herausragender Arbeitsplatz- und Wertschöpfungsmotor.

Wir haben in Österreich so einen Schritt von einem alten in ein neues System, wie er jetzt ansteht, schon einmal erfolgreich gemacht: in den fünfziger Jahren haben wir mit dem Bau der Donaukraftwerke und von Kaprun gezeigt, dass der Ausbau erneuerbarer Energie ein Generator für Vollbeschäftigung und Wohlstand ist. Das können wir heute mit Solarenergie, Wind, Bioenergie und Kleinwasserkraft erneut beweisen.

 

Johannes Schmidl arbeitet für den Dachverband „Erneuerbare Energie Österreich“ und für proPellets Austria.

Johannes Schmidl arbeitet für den Dachverband „Erneuerbare Energie Österreich“ und für proPellets Austria.

 

 

Buchtipp:

Johannes Schmidl: Energie und Utopie

Roger Hackstock Energiewende edited

Energie kann weder erzeugt werden, noch kann sie verschwinden. Sie ist von Anfang an da – seit dem Urknall; und seit Einstein wissen wir: auch in Form von Masse. Wir nutzen sie in Gestalt verschiedener materieller Träger (wie Erdöl, Kohle oder Uran), die wir tatsächlich auch verbrauchen. Dennoch gibt es eigentlich keinen 'Energieverbrauch'. Seit der Studie des Club of Rome 1972 mit dem Titel 'Die Grenzen des Wachstums' ist unser Umgang mit materiellen Ressourcen und damit 'Energiesparen ' ein zentrales Thema. Und wenn eine Tageszeitung titelt: 'Hohe Energiepreise gefährden Europas Wohlstand', wird schnell klar, welchen gesellschaftlichen Sprengsatz dieses Thema enthält. Johannes Schmidl analysiert den Energie-Diskurs, der von zwei entgegengesetzten Befürchtungen dominiert wird, die uns zu ungeheuren Anstrengungen treiben: Einerseits könnte Energie unerschwinglich werden und einzelne Energieträger wie Öl könnten sich überhaupt erschöpfen – die Menschheit wäre dann nicht mehr in der Lage, ihre elementaren materiellen Bedürfnisse zu erfüllen. Andererseits könnte unser Übermaß an Energieverbrauch und die damit zusammenhängenden Emissionen dazu führen, dass wir unsere Lebensgrundlagen nachhaltig beschädigen, allem voran das irdische Klima.

Diese doppelte Herausforderung ist ein wahres Di-Lemma ('zweigliedrige Annahme '): Je intensiver wir uns mit einer Seite des Problems befassen, desto weiter scheinen wir uns von einer Lösung der anderen zu entfernen. – Wir fürchten uns vor dem Zu-viel und dem Zu-wenig gleichzeitig. Die zumindest 500-jährige europäische Tradition des utopischen Denkens – beginnend bei Thomas Morus’ namensgebender Utopia (1516) und Francis Bacons Nova Atlantis (1624) – hat von Anfang an versucht, Knappheit in verschiedensten Formen zu bewältigen. Obwohl es unseren Energiebegriff erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt, lösen einige dieser alten utopischen Vorschläge auf geradezu verblüffende Weise aktuell brennende Energieprobleme. Sie pendeln dabei zwischen zwei gegensätzlichen Konzepten: zwischen erzwungener Maßhaltung und dem Geschenk des Überflusses. Aber da Ersteres ohne Überwachung und Reglementierung von oben und Zweiteres ohne Belastung von Natur und Umwelt kaum zu haben ist, wohnt den Utopien immer schon eine dystopische, zerstörerische Seite inne.

Energie und Utopie von Johannes Schmidl stellt den vom Menschen erhobenen materiellen Ansprüchen an das globale System und den daraus resultierenden Bedrohungen die unbescheidensten, radikalsten und weitreichendsten Entwürfe für Alternativen und Bewältigungsstrategien gegenüber, die sich Menschen – als Utopien – ausgedacht haben. Wenn historische Utopien einige der dringendsten Energieprobleme, mit denen wir uns herumschlagen, zumindest im Gedankenexperiment nachhaltig lösen, so bleibt uns dennoch am Ende eine Frage nicht erspart – nämlich: Wollen wir überhaupt eine Lösung?

Verlag: Sonderzahl
Seiten: 404
Preis: € 25,00

Neuauflage in Arbeit, lieferbar ab Mai 2021

 

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